Kurzfassung: Passauer Pastoralplan 2000 und seine Projekte
Unter dem Leitwort "Gott und den Menschen nahe" gliedert sich
der Pastoralplan in zwei große Teile: "Gottes- und Menschennähe", sowie
"Personen fördern und Strukturen entwickeln". Dazu erfolgt jeweils eine
Situationsanalyse. Neun Projekte mit Wertschätzung, Zielen und Maßnahmen nennen dazu die
entsprechenden Schritte.
Gottes- und Menschennähe
Die Kirche dient der Liebe Gottes zu den Menschen und zu seiner
Schöpfung und ist damit dem Geheimnis Gottes ganz nah und zugleich nahe den Menschen.
Nach einer Zeit der Gottvergessenheit wächst bei vielen Menschen wieder ein spiritueller
Hunger nach Gott, dem Evangelium, nach einer neuen Begegnung mit einer offenen Kirche.
Deshalb will die Kirche "Gotteserfahrung aus erster Hand" bieten und den Himmel
offen halten für die Menschen. Sie braucht dazu bewährte, gläubige Menschen.
Gottesnähe
Projekt 1 - Im Geheimnis Gottes wohnen: Weil die Menschen Gott
und von Gott erfahren wollen, geht die Kirche von Passau Wege, auf denen Gottes Wort
gehört wird, ihre Rituale und Sakramente als heilende, damit gottvoll und erlebnisstark
werden. Dazu gehört auch die spirituelle Erfahrung, das Gebet, sowie eine entsprechende
Feier der Liturgie. Die sonntägliche Eucharistiefeier soll sichergestellt sein.
Kirchenfernen und Scheiternden sollen Lebensübergänge etwa durch Beratungsarbeit
erschlossen werden.
Projekt 2 Öffentlich Gott bezeugen: Weil das Zeugnis,
die Verkündigung des Wortes Gottes, zum innersten Auftrag der Kirche gehört, soll auf
allen Ebenen die Qualität dieses Zeugnisses gefördert und vernetzt werden, etwa im
Bereich der Predigt, im Religionsunterricht und in der Schulpastoral, vom Kindergarten bis
zur Jugend- und Familienarbeit.
Menschennähe
Die Leiden heutiger Menschen berühren und bedrängen die Kirche von
Passau: die Obdachlosigkeit vieler Menschen, vom Flüchtling bis zum psychisch Belasteten.
Das Schicksal all derer, deren Lebenspläne scheitern durch Krankheit, Arbeitslosigkeit
oder Beziehungskrisen. Die Gefahr, dass Alte, Hilfsbedürftige, Behinderte, Arme oder
Alleinerziehende in dieser Gesellschaft überflüssig werden. Dazu kommen die Opfer von
sexueller und kriegerischer Gewalt. Von Gott ist die Kirche zu solidarischer Liebe
berufen.
Projekt 3 - Beheimaten: Gastfreundschaft wie in der frühen
Kirche wird zu einem Grundmerkmal christlichen Lebens. Dazu zählen die Ehevorbereitung
und -begleitung, die Beheimatung von Familien in den Pfarreien, offene Räume für die
Jugend, Platz für Ausländer, Asylbewerber, sowie gesellschaftlich oder kirchlich
Benachteiligte.
Projekt 4 - In Liebe dienen: Es wird nicht nur in den Ausbau
der helfenden und politischen Diakonie der Kirche investiert, sondern auch in Netzwerke
der Caritas in den Pfarrgemeinden. Die Kirche nimmt ihre gesellschaftspolitische Aufgabe
wahr und setzt ihre Option für die Armen um. Stichworte dazu: Familienarbeit,
Hospizgedanke, Altenarbeit, Behindertenarbeit, Schuldenerlass, Partnerschaften.
Projekt 5 - Zeit haben: Zeit für heilende Seelsorge wird zu
einem vorrangigen Entwicklungsziel allen kirchlichen Tuns. Denn Seelsorge, die aus
Menschennähe erwächst, braucht viel Zeit. Sie ist präsent an Brennpunkten des Lebens.
Personen fördern und Strukturen entwickeln
Personen fördern
Der Reichtum der Kirche sind Menschen mit ihren unterschiedlichen
Fähigkeiten und Begabungen. Sie alle miteinander tragen die Kirche.
Projekt 6 - Ehrenamtliche fördern: Das Bistum qualifiziert und
begleitet ehrenamtlich tätige Frauen und Männer, etwa in den Pfarrgemeinderäten und
Verbänden, für ihre Leitungsaufgaben und bietet spirituelle Vertiefung.
Projekt 7 - Hauptamtliche qualifizieren und stärken: Hauptamtlich
tätige Frauen und Männer werden durch Aus- und Fortbildung befähigt, zielsicher- und
situationsgerecht zu handeln.
Strukturen entwickeln
Weil personelle und finanzielle Mittel knapper werden, ist eine Reform
der Bistums-Strukturen nötig. Nach dem Prinzip der Subsidiarität entscheiden etwa
Pfarrgemeinden, Ordensgemeinschaften, Verbände oder basisnahe Bewegungen innerhalb der
rechtlichen Möglichkeiten selbst über die Entwicklung. Sie vernetzen ihre Arbeit.
Höhere Ebenen wie Dekanat oder Diözese verstehen sich als dienende Einrichtungen.
Projekt 8 - Strukturen der Seelsorge weiterentwickeln: Pfarreien
entwickeln sich mit dem Pfarrgemeinderat immer mehr zu eigenverantwortlichen Gemeinden.
Bei der Besetzung von Seelsorgsstellen wird eine angemessene Mitbeteiligung der Pfarrei
gewährleistet. Die Pfarrei bildet auch die Basis für die kirchliche Erwachsenenbildung.
Auf Dekanatsebene werden verbindliche Formen der Kooperation entwickelt. Die Diözese
konzentriert ihre pastoralen Fachdienste auf die Pfarr- und Dekanatsentwicklung.
Einrichtungen der Jugendarbeit vernetzen sich. Frauen wird der Weg zu leitenden Positionen
eröffnet. Die Räte des Bistums "Pfarrgemeinde-, Dekanats-, Priesterrat) werden im
Rahmen des kirchlichen Rechtes wirksam an Entscheidungen beteiligt.
Projekt 9 - Präsent sein in Kultur und Gesellschaft: Die
Kirche von Passau ist öffentlich präsent und beteiligt sich wirkungsvoll am
gesellschaftlichen Diskurs; beginnend bei der religiösen Erziehung, über
Öffentlichkeitsarbeit, bis hin zu Interessenvertretung gegenüber Politik und
gesellschaftlich relevanten Gruppen dies auch in ökumenischer Zusammenarbeit.
Stichworte: Schulpastoral, Jugendarbeit, Erwachsenenbildung, Schöpfungs- und
Umweltfragen.
Entsprechend der Abstimmungsergebnisse bei Pastoralkonferenzen im
Herbst 1999, sowie der Option des Diözesanrates, beginnt die Umsetzung des Pastoralplanes
2000 mit den Projekten "Im Geheimnis Gottes wohnen" und "Strukturen der
Seelsorge weiterentwickeln". Diesen beiden Projekten wurde mit großer Mehrheit
zugestimmt.
Die Schritte zum Passauer Pastoralplan 2000
Herbst 1997: Bischof Eder eröffnet den Leitbild-Prozess
"Pastorale Entwicklung im Bistum Passau". Unter Verantwortung der Pastoralen
Arbeitskommission begleitet eine Projektgruppe den gesamten Prozess. Theologisch und
wissenschaftlich wird der Weg von den Theologieprofessoren, Dr. Isidor Baumgartner, Passau
und DDr. Paul Michael Zulehner, Wien, begleitet.
Frühjahr '98: Der Weg der Pastoralen Entwicklung im Bistum Passau
wird der Öffentlichkeit, den von Anfang an Beteiligten und in einzelnen Dekanaten,
genauer vorgestellt. 73 Interviews mit ausgewählten Personen, repräsentativ für alle
Schichten und Bevölkerungsteile des Bistums werden durchgeführt, ihre Aussagen im Text
"Der Rede wert 73 Kirchengespräche" zusammengefasst. Bischof Eder ruft
das ganze Bistum zur Teilnahme am geistlichen Gespräch in Form von Klausurtagungen auf.
Herbst '98: Die Pastoraltagungen eröffnen das Forum vieler
weiterer Kirchengespräche. 450 Seelsorgerinnen und Seelsorger erarbeiten ihre Optionen.
Sie geben PEP auch die innere Ordnung: Gottes- und Menschennähe, Personen- und
Strukturentwicklung.
Winter 1998: 325 Pfarrgemeinderäte, Orden, kirchliche
Verbände und Gruppen arbeiten in Klausuren an der Weiterentwicklung der Seelsorge. Über
5000 Personen beteiligen sich an den Gesprächen, die von 160 Moderatorinnen und
Moderatoren begleitet werden. In 2000 Stunden haben sie genau 4539 Sätze
zusammengetragen, was die Kirche hindert, stärkt und weiterbringt. Protokolle, in einem
Dokumentationsband zusammengestellt, schützen das Erarbeitete vor dem Vergessen. Die
Diözesanleitung und der Diözesan-Caritasverband prüfen mit einer Beratungsfirma den
Personal- und Finanzplan für die nächsten Jahre.
Frühjahr 1999: Aus den Kirchengesprächen erwächst der Entwurf
des Pastoralplans. Die Mitglieder der Pastoralen Arbeitskommission lesen jedes Protokoll.
Jeder einzelne Satz wird einem Thema zugeordnet. So entstehen die fünf Körbe:
Gottesnähe, Menschennähe, Organisations- und Personalentwicklung, sowie Depot, in dem
alle Themen gesammelt sind, die nicht auf Ebene der Diözese entschieden werden können,
bzw. nicht in positive Energie umgestaltet werden konnten. Aus dem gesamten Material
werden 57 leitbild- und projektartige Themen formuliert. So entsteht ein Vorentwurf.
Mai 1999: Am 20. Mai formulieren PAKO und Projektgruppe mit
theologischen Beratern den Entwurf des Pastoralplanes.
Herbst/Winter 1999: Der PPP-Entwurf wird vorgestellt. Seine 13
Projekt werden auf breiter Ebene diskutiert und ergänzt. Außerdem werden die Projekte
gewichtet. Den Anfang machen die Pastoraltagungen der Priester und hauptamtlichen
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Passauer Kirchengespräch setzt sich fort: den
Entwurf des Pastoralplans bedenken möglichst viele Christen des Bistums. Der
Diözesanrat, Dekanate, Pfarreien und Einzelpersonen nehmen Stellung. Noch einmal bringen
über 2000 Christen in 222 Gruppen ihre Wünsche und Korrekturen an - rund 1000
Einzeleingaben. Aus 13 Projekten wurden 15. Aus 73 wurden über 7000 Beteiligte.
Frühjahr 2000: Die PAKO entscheidet sich, den Text zu straffen.
Aus den 15 Projekten werden am Ende neun. Themen wie Schöpfungsverantwortung oder
Ökumene wurden in den Gesamttext eingeflochten, formale Projekte wurden verschlankt.
April 2000: Die PAKO legt die vorläufige Fassung des
Pastoralplanes fest. Der Priesterrat stimmt zu.
Mai 2000: Die Vorsitzenden des Diözesanrates, Gerhard Spranger,
des Priesterrates, Klaus Hoheisl, und für den Vorstand des Diözesan-Caritasverbandes,
Kurt Lenz, unterzeichnen den Pastoralplan 2000. Sie empfehlen dem Bischof, das Dokument in
Kraft zu setzen.
Juni 2000: Diözesanbischof Dr. Franz Xaver Eder setzt zum
Pfingstfest bei einem feierlichen Gottesdienst im Dom den Passauer Pastoralplan 2000 in
Kraft. In den Pfarreien unterzeichnen ihn Pfarrer und PGR-Vorsitzende. Damit endet der
dreijährige Beratungsweg.
PAKO und Projektgruppe:
Den Weg zum "Passauer Pastoralplan 2000" haben die Pastorale
Arbeitskommission (PAKO) und Projektgruppe initiiert, begleitet und gesteuert. Die PAKO,
mit ihren 12 Mitgliedern aus Diözesanleitung, Diözesanrat und Vertreter der pastoralen
Berufsgruppen, hat die einzelnen Schritte geprüft und verantwortet. Die konkreten Impulse
und das Verfahren hat die Projektgruppe entwickelt. Ihr gehörten insgesamt acht ehren-
und hauptamtlich tätige Frauen und Männer im Pastoralen Dienst und der Gemeindeberatung,
sowie Priester und wissenschaftliche Assistenten an. Die Geschäftsführung hatte Helmut
A. Höfl. Als zusätzliche theologische Berater standen Prof. Dr. Isidor Baumgartner,
Universität Passau, und Prof. DDr. Paul Michael Zulehner, Universität Wien, zu
Verfügung.
Wolfgang Duschl
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