Stichwort zu Pfingsten - Hinaus zu den Menschen




Es muss im Leben mehr als alles geben. Mehr als den Euro und den Dollar, mehr als Internet-Geschäfte und "Big Brother". Eigentlich wissen wir das. Wir spüren es im Innersten. Wir haben eine Sehnsucht, einen Hunger, nach richtigem Leben und eine Ahnung davon. Wir wissen genauso, wie heillos und zerstritten unsere Welt ist. Dass wir nicht alle Fragen und Probleme letztlich lösen können. Und wir hoffen auf Antworten, oder wenigstens auf Menschen, die uns zuhören. Wir warten auf Menschen, die uns den Himmel offen halten. Es sollen Leute sein, die dem Leben selber auf der Spur sind, die selbst suchen nach dem, was wirklich trägt und hält, nach Gott halt. Solche geistlichen Menschen sollen aber auch Zeit für uns haben, unsere Freuden und Hoffnungen ebenso teilen, wie unsere Ängste und Leiden. Gott sollen sie nahe sein und uns natürlich.

Genau das ist die Botschaft von Pfingsten für die Kirche: "Gott und den Menschen nahe". Sich nicht wie zunächst die kleine Gemeinschaft in Jerusalem ängstlich abkapseln. Sondern die Türen aufreißen, hinausgehen auf die Straßen und Plätze, sich den Fragen, auch den manchmal unbequemen, stellen, Zeugnis ablegen von Gott und von dem, was er durch Christus getan hat. Sich anstecken lassen, von diesem Geist, dessen Wirken eigentlich unbeschreiblich ist, und folglich nur mit Bilder, eben Sturm oder Feuerszungen gedacht werden kann. Weil sie Gott auf neue Weise erfahren, treten sie zu den Menschen hin.

Im Bistum Passau hat Pfingsten 2000 eine besondere Bedeutung. Diözesanbischof Dr. Franz Xaver Eder setzt den Pastoralplan in Kraft. Der Text buchstabiert den Kern des Festes: aus der Kraft Gottes in die Welt hinein. Nicht gelähmt, obwohl die Kirche kritische Situationen ausmacht. Nicht ängstlich, obgleich ihr manchmal ein rauher Wind entgegenbläst. Sondern voll Leidenschaft, weil sich das gesamte Volk Gottes von der Kraft des Geistes getragen weiß.

Heiliger Geist? Wir sprechen manchmal vom Geist, der etwa in einem Haus herrscht. Wir spüren, wie er ist, gut oder schlecht; wer davon erfasst ist und zugleich dazu beiträgt. Heiliger Geist. Man merkt bald, wenn er irgendwo "zu Hause" ist. Man spürt ihn an drei Erkennungszeichen: Er bewirkt ein tiefes, tragfähiges Vertrauen zum Leben, zu Gott. Er gibt Hoffnung, die einen weiten Horizont hat. Und er ermöglicht Liebe, und zwar eine, die diesen Namen wirklich verdient hat. Daran werden sich der Pastoralplan 2000 und die Diözese Passau zu Beginn des 21. Jahrhunderts messen lassen und messen lassen müssen.

Wolfgang Duschl



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