Wie die Zukunft des Bistums aussehen kann




Ganz persönliche Stellungnahmen zum Passauer Pastoralplan 2000

Ich fühle mich in der Kirche von Kindheit an beheimatet. Ich liebe sie und leide an ihr, wie zum Beispiel an der Änderung der Schwangerenkonfliktberatung. Existenziell wichtig sind für mich die Sakramente und die Liturgie. Mein Leben gelingt, weil ich mich auf Gott verlassen kann. Mein Glaube vertieft sich im ehrlichen Austausch von religiösen Erfahrungen und Schwierigkeiten mit Freunden und Mitchristen. Deshalb brauchen wir Menschen, die aus ihrem Glauben heraus leben und handeln. Menschen, die vorurteilslos anderen begegnen und sie annehmen.
Margit Wieden, Leiterin der Schwangerenkonfliktberatung im Caritasverband der Diözese Passau

Die Kirche von Passau geht mit dem Pastoralplan 2000 einen guten Weg, die Verbindung mit den Menschen neu zu suchen. Für die Zukunft ist wichtig, dass sich die Menschen in der Kirche beheimatet fühlen und selbst wieder mehr die Nähe zur Kirche suchen. Der Pastoralplan bietet deshalb eine gute Zukunft, weil er übergreifend Meinungen kritisch abfragt und hieraus eine neue, moderne Basis für eine menschliche Kirche sucht. Dabei geht der Plan auch unbequemen Fragen nicht aus dem Wege. Denn Leben und Glauben gelingt dann, wenn die Kirche verständlich ist und wenn sie es versteht, die Tradition des Christentums mit den Fragen der Menschen in der Gegenwart zu verbinden.
Hans Lindner, Lindner AG Arnstorf

Der Pastoralplan spiegelt durch seine Entstehungsgeschichte ein oft eingefordertes Stück Demokratie in der Kirche wider. Maßgebliche Einzelmeinungen von Diözesanmitgliedern wurden nicht nur zur Kenntnis genommen, sondern in konkrete Projekte umgesetzt, die möglichst bald realisiert werden sollten. Der Pastoralplan beschränkt sich damit nicht nur auf eine Bestandsaufnahme, sondern zeigt gerade mit diesen Projekten den Weg auf, Kirche auch an der Schwelle zum dritten Jahrtausend ihres Existierens erlebbar zu machen.
Prof. Dr. Walter Schweitzer, Rektor der Universität Passau

Der Ansatz, die Menschen an der Gestaltung der Zukunft mitwirken zu lassen, kann nur begrüßt werden. Kirche und Gewerkschaft können nur überleben, wenn sie möglichst facettenreiche Foren anbieten und dort Erarbeitetes von den Gremien und der Spitze wirklich aufgenommen und gelebt wird. Also kann der Pastoralplan 2000 auch nur dann Erfolg haben, wenn er über die Momentaufnahme hinaus als Prozess fortentwickelt wird. Kirche ist Heimat vor allem dann, wenn sie sich dem Sozialgedanken verschreibt und gleichzeitig die Eigenverantwortung der Bürger einfordert. Auch kann die Kirche in Passau nur dann Autorität und Glaubwürdigkeit beanspruchen, wenn Fehler der Vergangenheit – auch wenn deren Wurzeln nicht in Passau liegen – ungeschminkt zur Sprache kommen und verantwortet werden.
Bernhard Roos, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Passau 

Man hat wirklich wissen wollen, was die Menschen bewegt und was sie sich – vielleicht sogar eher insgeheim – erhoffen. Dabei waren nicht nur die kirchlichen Insider gefragt, die von einer diözesanen Vollversammlung zur anderen hetzen, sondern auch die fernerstehenden Christen. Diese bilden ja inzwischen eine Mehrheit in der Kirche, wenn auch eine ziemlich schweigende. Dass dann in den zahlreichen Kirchengesprächen und Klausurtagungen 7000 Menschen zu Wort kamen, ist nicht nur ein zahlenmäßiger Erfolg, sondern Zeichen einer grundsätzlichen glaubensgeschichtlichen Wende: Jahrhundertelang hat man in der Kirche den einfachen Gläubigen die religiöse Kompetenz abgesprochen und ausgetrieben. Jetzt erkennt man die religiöse Kompetenz an, weckt sie sogar und entdeckt sie neu, wo sie verschüttet und begraben ist. Und siehe da: Wir stoßen auf religiöse Erfahrungen, denen man trauen darf. Sie sind stärker als die wehleidige Stimmung, die sich in der Kirche breit gemacht hat und gehen tiefer als die durchschaubaren Machtspiele in Kurienbehörden. Dieser Pastoralplan ist schon jetzt nicht nur Papier. Danach ist nichts mehr so wie vorher. Von Pfingsten an hat nur eine Kirche Zukunft, in der nicht Herrschaft ausgeübt wird, sondern in der die Menschen einander liebevoll nahe sind. Dann sind sie Gott nahe.
Hubert Schöne, Bayerischer Rundfunk – Leiter Redaktion Kirche und Welt Fernsehen

Die Kirche leistet für die Gesellschaft in vielen Bereichen unverzichtbare Beiträge. Sie bietet eine geistige Heimat für die Gläubigen und engagiert sich insbesondere auch im Sozialbereich für die hilfebedürftigen Menschen. Letztendlich lebt die Kirche von und mit der Aktivität ihrer Gemeinde. Durch den Pastoralplan 2000 im Bistum Passau beweisen zahlreiche Gläubige wie sehr ihnen die Mitgestaltung der geistlichen Seelsorge am Herzen liegt. Diese konstruktiven und kooperativen Entwicklungsinitiativen gehen richtungsweisend zu Beginn des neuen Jahrtausends voraus. Sie sind ein Vorbild für die ständige Entwicklung des zukünftigen Für- und Miteinander im christlichen Glauben.
Gerd Sonnleitner, Präsident des Deutschen und Bayerischen Bauernverbandes

Meiner Meinung nach ist für die Zukunft der Kirche von Passau wichtig, dass zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler weiterhin einen Dialog führen und sich mit den Themen der Kirche auseinandersetzen können. Dass die Offenheit, die in den letzten Jahren herrschte, weitergeführt und sogar noch ausgebaut wird. Gerade das Bau- und Kunstreferat mit Domdekan Franz Sr. Gabriel, hat durch Kunstwettbewerbe, Ausstellungen und Ankäufe einen vorbildlichen Weg eingeschlagen.
Hubert Huber, 1. Vorsitzender des Berufsverbandes Bildender Künstler Niederbayern e. V. 

Als "Neubürgerin" der Diözese war ich überrascht und erfreut, bereits bei den Einstiegsinterviews dabei zu sein. Konnte ich doch gerade hier meine ganz persönliche Sicht auf Kirche und Glaubenserfahrung artikulieren. Ich habe den Prozess aufmerksam begleitet und erfreut festgestellt, dass die Kirche von Passau einen modernen Weg geht, in dem sich der Mensch unserer Zeit nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich wiederfindet. Ganz besonders haben mich die zahlreichen Foren beeindruckt, in denen die unterschiedlichsten Gruppen sich zu Wort gemeldet haben. Bedauert haben ich in diesem Zusammenhang, dass kein Männerkloster an diesen Diskussionen teilnahm. Bedauert deshalb, weil aus meiner Sicht gerade in den Klöstern Spiritualität gepflegt und besonders das Projekt 1 "Im Geheimnis Gottes wohnen" aus meiner Sicht nach wie vor Heimat hat. Aus meiner Sicht braucht die Kirche von Passau vor allem Männer und Frauen, die dies im täglichen Leben für sich als richtig erkennen und sichtbar machen. Wichtig erscheint mir ganz persönlich, dass die Kirche von Passau und die Menschen in ihr, Hilfestellung zu Glaubensfragen und tiefen Lebensfragen geben. Für mich bedeutet Kirche Heimat oder wie im Pastoralplan formuliert beheimatet sein; bedeutet Rückhalt in Lebensfragen; bedeutet Ort der Zuflucht und Sicherheit. Als Frau wünsche ich mir Respekt von der Unterschiedlichkeit der Menschen, den unterschiedlichen Fähigkeiten und gleichzeitig der Wahrnehmung, dass Gott alle Menschen gleichermaßen liebt. Aus diesem Grundverständnis kann meines Erachtens Leben und Glauben gelingen.
Renate Braun, Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Passau

Es kommt darauf an, Christsein im Alltag zu leben, in der Familie, am Arbeitsplatz, im Freundeskreis: Nicht aufgesetzte Frömmigkeit oder gespielte Höflichkeit, sondern Verwirklichung dessen, was wir glauben: Gleichberechtigte Kinder Gottes zu sein, die von seiner Liebe in der Welt künden und bezeugen sollen. Von den ersten Christen sagte man: "Seht, wie sie einander lieben"! Die Urkirche ist das Vorbild. Genauso unerläßlich ist die sittliche Verpflichtung zur Erfurcht vor dem Leben. Dies betrifft konkret vor allem die ethischen Fragen zum Umgang mit Menschen am Lebensbeginn wie am Lebensende: Embryonenforschung, Präimplantationsdiagnostik, Eingriffe in die menschliche Keimbahn; am Lebensende vor allem der Umgang mit Alten und Behinderten, Fragen der Sterbehilfe. In einer amorphen, sich treibenlassenden Gesellschaft ist die Kirche einer der wenigen Anwälte für sittliches Handeln, das auf der Respektierung der verschiedenen, gottgewollten Behinderungen und Gebrechlichkeiten beruht, im Alltag die Würde des Individuums vor Nützlichkeitserwägungen stellt.
Prof. Dr. Michael Fischer, Chefarzt Klinikum Passau



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